Antisemitismus und Rassismus begegnen

„Medien prägen die Wahrnehmung von Minderheiten in der Mehrheitsgesellschaft.“ Meike Drey, LJA

Das Praxis-Seminar der Landjugendakademie Altenkirchen (LJA) unter Mitwirkung der Evangelischen Landjugend www.plurability.de lief im Rahmen des Projekts „Antisemitismus und Protestantismus“ der Evangelischen Akademien in Deutschland.

Die Veranstaltung fokussierte sich auf die Fremd- und Weltbilder, die wir in der medialen Öffentlichkeit vorfinden, und das Selbstbild, das dabei impliziert wird.
Wir beschäftigten uns mit den Fragen:

Wie beeinflussen diese Bilder unsere Gesellschaft und was heißt das für die Arbeit mit Jugendlichen?

  • Matthias Schmitten und Jürgen Kricke zeigten auf, dass wir Menschen auch in Bildern denken, diese einordnen und aus der bewertenden Konstruktion Handlungen ableiten.
  • „Wir müssen uns bewusst machen, dass dieser Wahrnehmungs- und Bewertungs-Prozess i.d.R. automatisiert innerhalb von Sekunden abläuft“, so Jürgen Kricke.

  • Über Übungen mit tagesaktuellen Beispielen (u.a. aus Facebook) erfuhren die Teilnehmenden dessen Bedeutung und tauschten sich gezielt in Kleingruppen darüber aus.

Wie können Erwachsene und auch Jugendliche die feinen Unterschiede und die hintergründigen antisemitischen und rassistischen  Aussagen aufdecken?

  • Dazu kann Sachwissen helfen, welches auch die Wahrscheinlichkeit zum Nachfragen und Hinterfragen erhöht.
  • Meike Drey und Stefan Rochow stellten die unterschiedlichen Arten von „Antisemitismus“ dar und zeigten an einem kleinen Beispiel, wie stark dieser – bewusst und unbewusst – im Alltag vermehrt Einzug hält.

Was für Unterschiede gibt es zwischen verschiedenen Medien (von Musik bis Internet) und inwieweit muss man Social Media gesondert betrachten?

  • „Sprache schafft Wirklichkeit“, darauf wies nicht nur Stefan Rochow hin.

  • Direkt oder indirekt (Bildsprache, Codes, etc.) lassen sich in nahezu allen Medien antisemitisches sowie rassistisches Gedankengut finden: z.B. in Kinderbüchern, Musik, Bildern, …
  • Ermutigt wurden die Teilnehmenden mit den Jugendlichen darüber ins Gespräch zu kommen. Man sollte darüber Reden und nicht durch ein Verschweigen den „Reiz des Verbotenen“ oder „Märtyrertum“ erzeugen.

Gibt es Bildungsansätze, die gezielt ein offenes, tolerantes und demokratisches Weltbild unterstützen und so präventiv gegen rechtsextreme Einflüsse in den Medien entgegenwirken?

  • „Emotionale Labilisierung“ – nach John Erpenbeck ermöglicht (kompetenzorientiertes) Lernen, d.h. die Auseinandersetzung im Themenfeld:
  • Stoppen des automatisierten Bewertungsprozesses hin zur bewussten Handlung.

Stoppen des automatisierten Bewertungsprozesses hin zur bewussten Handlung: Situationsanalyse

„Mein Tipp: versucht kurz aus der Situation heraus zu gehen um „Durchzuatmen“. Wenn das physisch nicht geht, dann innerlich und zählt mindestens bis 5.“, Jürgen Kricke

WAS

WAS wurde gesagt?

  • Meine Einordnung des Gesagten – Was macht die Aussage mit mir (emotional)?
  • (Eigene, Fremde) Ängste Ernst nehmen – aber nicht überbewerten
  • Menschen und Äußerung unterscheiden 
  • Die Aussage ist möglicherweise „menschenverachtend“. Denke jedoch immer daran, dass diese auch ein Mensch getätigt hat. Deshalb: hart in der Sache diskutieren, möglicherweise auch klare Grenzen setzen; aber fair und „sanft“ zum menschlichen Gegenüber – selbst bei Social Media.

WER

WER hat es gesagt?

  • Es macht oftmals einen Unterschied, wer die Stammtischparole getätigt hat:
  • (Mein) Freund, Familie / Arbeitskollege-Chef (Hierarchie) / Unbekannter – wohl möglich „Fake-Troll-Bot“

WO / WIE

WO / WIE wurde es gesagt?

  • Beachte den Kontext und damit die Art und Weise, wie etwas wo gesagt wurde
  • Aggressiv, Übertrieben, … / Arbeitsbezug, Party, Schule, Jugendgruppe, …

WARUM

WARUM könnte es gesagt worden sein?

  • Versuche aufgrund obiger W-Fragen ebenso mitzuklären, „Warum“ diese Aussage getätigt wurde.
  • Provokation; Unwissenheit und Spaß; „Überzeugungstäter“

Meine Handlungsoption

Selbstreflexion mit Handlungsoption (Eigene Zielsetzung)

  • Mache Dir Deine eigene Zielsetzung bewusst und wähle dazu gezielt Gegenstrategien aus:
  • Will ich meine Ruhe?
  • Will ich den Gesprächsabbruch?
  • Will ich eine Konfliktlösung anstreben?
  • Will ich von meiner Meinung überzeugen?
  • Gegenstrategien nach Klaus Peter Hufer findest Du hier.